Geschichte
der Bardinos
Die
Kanarischen Inseln haben seit jeher eine festen
Platz in der Sagenwelt - als jene Länder hinter
den Säulen des Herkules (wie die Meerenge von
Gibraltar in der Antike genannt wurde), dem
Zugang zum Mare Tenebris, dem finsteren Meer.
Hierhin haben viele klassische Dichter das
Paradies verlegt, die Elysischen Gefilde oder
den Garten der Hesperiden. Somit ist es kein
Wunder, dass eine solche faszinierende
Hunderasse, wie der Bardino, auf den Kanaren zu
finden ist.
Professor Dr. Luis Felipe Jurado von der Veterinärmedizinischen
Fakultät der Universität von Teneriffa glaubt,
dass Hunde bereits vor den Menschen auf den
Kanaren waren. Wie sie dort hingekommen sind? Er
ist der überzeugung, dass die Hunde auf Flössen
von Afrika auf die Kanaren getrieben sind. Er
stellt es sich so vor, dass die Hunde auf großen
Bäumen, die der Sturm gefällt hatte und die
nach überflutungen der Festlandsflüsse, auf
den Atlantik hinausgetrieben wurden und so auf
den Kanaren gestrandet sind. Fuerteventura ist
nur ca. 100 km von Afrika entfernt.
Den ersten
Bericht jedoch haben wir Plinius, einem römischen
Naturforscher, zu verdanken, der im 1.
Jahrhundert nach Christus eine vom
mauretanischen König Juba II entsandte Galeere
mit Forschungsreisenden aus Römisch-Mauretanien
(das heutige Marokko) auf die Kanaren, genauer
gesagt nach Gran Canaria, schickte. Hier fand
man nicht nur fruchtbares Land mit hohen Bergen
und exotischen Pflanzen vor, sondern auch Hunde
mit Tigerstreifen. Diese Hunde, waren wild, aber
nicht blutrünstig, intelligent und schön
anzusehen, leicht zu erziehen, mit einer eigenen
Grazie und äußerst folgsam.
Es wird behauptet, dass diese
Forschungsreisenden für den Römisch-Mauretanischen
König, König Juba 11., einige dieser Welpen
auswählten und diese mit nach Mauretanien
nahmen. Daraufhin gab der König den noch
unbekannten kanarischen Inseln einen Platz auf
der Landkarte und einen Namen, welcher sich
seitdem nicht mehr geändert hat. Er nannte die
Inseln, "Inseln der Canes" ( vom
lateinischen Wort für Hund, can oder canes).
Es ist nicht bewiesen, dass die Hunde, die von König
Juba so sehr bewundert wurden, wirklich Bardinos
waren, denn mit Sicherheit gab es auch andere
Hunderassen auf den Inseln.
Bis zu ihrer Eroberung durch die Europäer, die
sich über das gesamte 15 Jahrhundert hinzog,
waren die Inseln von einem Volk bewohnt, das
vermutlich nordafrikanische Wurzeln besaß. Die
Guanchen haben auch noch heute ihren Spuren auf
den Inseln hinterlassen.
Viele
Schriftsteller des Altertums und auch einige
moderne Autoren glaubten, dass die Kanarischen
Inseln die letzten und sichtbaren und ehemals höchstgelegenen
Überreste eines untergegangenen Kontinents
darstellen: Atlantis. Die Guanchen seien
dementsprechend die letzten Abkömmlinge der
Atlantiden. Diese Guanchen hatten auch schon
Hunde.
Auf Fuerteventura traf man zum Beispiel etwas längere
und auch schlankere Hunde an, die wesentlich
beweglicher waren, als auf den anderen
kanarischen Inseln.
Alle Neuankömmlinge und Einwanderer auf den
Kanaren brachten, wie in allen anderen Ländern
auch, ihre eigenen Hunde mit. Viele dieser
niedlichen, kleinen Straßenhunde stammen von
den vielen Schosshündchen die zur
Jahrhundertwende von adeligen Urlauberinnen aus
England mitgebracht wurden.
Jahrelang wurde der Bardino mit Fangprämien
(Kopfgeld) gejagt und getötet. Die
Konquistadoren fürchteten diese Tiere so sehr,
dass sie auf Teneriffa die meisten von ihnen töten
ließen und jedem Schäfer nur noch einen
einzigen Bardino zum Hüten der Herde
gestatteten. Auf Fuerteventura, wo die Bardinos
jahrhundertelang zum Hüten der Ziegen und
Schafe gehalten wurden, wurden diese
"Raubhunde", wie man sie dann nannte,
zur Tötung freigegeben. Nur ein Hund pro Herde
war noch erlaubt.
Im Mai 1499 wurde hierzu ein Gesetz erlassen,
das, nach der Häufigkeit seiner Veröffentlichungen
zu urteilen, von den Inselbewohnern oftmals
missachtet wurde. Wer das Gesetz brach, musste
mit der Prügelstrafe rechnen, dennoch taten die
Einwohner alles, um die für sie kostbaren
Tiere, zu behalten. Zeitweilig wurde sogar
jedem, der den Kopf eines Bardinos vorzeigen
konnte, eine wertvolle Goldmünze gezahlt. Später
erklärte der spanische Herrscher Castellano,
der in eine Guanchen-Prinzessin verliebt war,
den Bardino zu "einem ehrenwerten Hund, den
er (Castellano) nicht verurteilen wolle".
Irgendwie konnte, trotz allem, diese
einzigartige Rasse überleben.